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Selbstkasteiung ade – Jan Hansen im Interview zum Thema Fitnesstrends

SPORTS

02/11/2017

Fitnesstrends – sind Trenderscheinungen für jeden relevant?

Sportwissenschaftler und Geschäftsführer von CODE Sports, Jan Hansen im Interview.

 

Herr Hansen, es gab in den letzten Jahren einige Trenderscheinungen im Fitnessbereich wie zum Beispiel Freeletics, Crossfit, HIT-Training oder EMS. Was halten Sie allgemein von Fitnesstrends?

Fitnesstrends haben den Vorteil durch ihre Neuerscheinung viele Menschen zu motivieren. Nicht jeder Trend ist jedoch für jeden geeignet. Viele Trainingsarten sind für Leistungssportler entwickelt worden, der Breitensportler ist manchmal damit überfordert. Auch ist ein hoch intensives Training für Anfänger nicht geeignet. Zum anderen versucht die Fitnessindustrie Trends zu kreieren, die sich gut vermarkten lassen. Leider steht da nicht immer der Kunde im Vordergrund.

 

Freeletics und Crossfit stehen für funktionelles Training. Was ist der Unterschied und ist es für jeden geeignet?

Übungen mit dem eigenen Körper gibt es schon seit hunderten Jahren, nichts Neues also… Liegestütz, Sit-ups und Hampelmann sind Klassiker, die jeder kennt. Neu ist es, das Ganze schön in eine App zu verpacken. Beim Crossfit haben wir es mit einem hoch intensiven, verletzungsanfälligen Trend zu tun. Gewichtheber Übungen, Gruppenzwang und Zeitlimits pushen den einen an sein Limit, den anderen darüber hinaus.

 

Zurzeit höre ich häufig das Motto „härter und schneller = besser“. Vor allem im Bereich des Gruppentrainings möchten die Teilnehmer gefordert werden.  Macht das Sinn?

Es kommt mir manchmal wie eine Selbstkasteiung vor. „Ich bestrafe mich für meine Sünden, faul sein, zu viel ungesundes essen, Alkohol, etc..“ Das andere Thema ist Selbstwahrnehmung. Manche spüren sich selbst nur noch wenn sie in die Extreme gehen. Was ist mit dem klassischen Breitensport, Gesundheitstraining, Wandern oder Fahrradtouren? Sich die Zeit nehmen und die Bewegung genießen?

 

Hierbei kommt auch HIT-Training ins Spiel, denn da ist die „Nachbrennzeit“ ja länger und man verbrennt mehr Kalorien, richtig?

Generell gilt ja die Regel, verbrenne mehr Kalorien als du zur dir nimmst, bzw. iss weniger als du verbrauchst um abzunehmen. Wer sich ausgewogen und gesund ernährt und sich regelmäßig bewegt, der braucht auch kein Fett verbrennen. Ob die Fettverbrennung nun mit der einen Methode, oder der anderen am besten ist? Wer gerne HIIT Training macht, der soll das machen. Wer gerne lange, langsame Läufe oder Radtouren macht, für den ist das richtig.

Am besten wird ja angeblich immer mit der neuesten Methode Fett verbrannt, das verkauft sich halt gut. So rennen alle immer der neuen Diät hinterher, der neuen Trainingsmethode. Schaut euch um, wie viele haben dauerhaft Erfolg? Die Frage nach der Effektivität stellen meistens die Menschen , die entweder Profisportler sind, oder die Faulen, oder Gestressten. Da sollten wir an anderen Ansätzen arbeiten.

 

Was auch sehr im Trend liegt sind standardisierte Fitnessprogramme, die meist 8-12 Wochen dauern und Trainings- sowie Ernährungspläne beinhalten. Ich kenne einige, die damit Erfolg hatten. Was ist Ihre Meinung dazu?

So ein Erfolg kann motivieren. Aber was passiert nach den 8-12 Wochen? Kann ich ohne Plan gesund essen? Ohne Plan trainieren? Kann ich das dann auch lange durchhalten? Oder falle ich danach in alte Muster zurück? Der Fokus eines solchen Programmes sollte auf Lernen und Selbstverantwortung liegen. Am besten in Kombination mit Coaching. Denn wenn sich nichts ändert, ändert sich nichts…

 

Was sollte man also konkret beachten, um gesund zu trainieren und trotzdem die eigenen Ziele zu erreichen?

Es sollte Spaß machen. Keine Quälerei sein, es sei denn man mag Quälerei. Dauerhaft gesund sein und einem gut tun. Am besten noch in der Natur und mit Freunden. So dass man das den Rest des Lebens machen kann.

Extreme Ups und Downs vermeiden, die Schaden der Gesundheit. Die beste Methode ist die, die man wirklich dauerhaft umsetzen kann.

 

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